Samstag 2007-06-16
Morgens 3:15 Uhr in Deutschland (Malmsheim): Ich sitze da, versuche den letzten Rest auf
den Rechner zu bekommen und die Zeit ist eigentlich rum. Ausgemacht war 3:30 Uhr
Abfahrt, damit wir Rouven in Warmbronn um 3:45 Uhr abholen.
Also hektisch alles aufn Memory-Stick kopiert; aufm Schiff is ja noch Zeit?
4:15 Uhr laufen wir bei Rouven ein. Kurz Zeugs ins Auto und fluchs zum Flughafen.
Rouven mit dem Gepäck rausgeschmissen und dann das Auto in Echterdingen abgestellt.
Bea bringt mich zurück zum Flughafen.
Um 4:45 Uhr stehen wir im völlig überfüllten Terminal 3. TUI, Thomas Cook, Condor und
viele andere haben ihre Pauschaltouristen hier versammelt.
Wir schauen uns an und denken: das kann nicht reichen! Und doch 5:10 Uhr stehen wir am
Schalter und checken ein.
Was, sie haben Rettungswesten angemeldet? Ach ja, hier stehts ja, tönts hinterm Schalter
hervor. 4 Minuten später haben wir unser Gepäck aufgegeben mit dem Hinweis, bei der
Handgepäckkontrolle etwas zu drängeln, da es doch schon etwas spät sei.
Nachdem ich meine zu vielen Kilos am Thomas Cook Schalter bezahlt habe, ein kurzes, aber
intensives Abschiedsküsschen loswerde, drängeln wir uns in der Handgepäckkontrolle ein
wenig vor und sind dann ?pünktlich? um 5:40 Uhr am Gate angekommen.
Die grünen Lampen blinken auch schon und die meisten sind wohl schon im Bus oder gar im
Flieger, da hier am Gate nicht mehr viel los ist.
Der Flug ist angenehm und wir landen fast pünktlich um 8:10 Uhr in Palma.
Am Gepäckband schauen die Pauschalen nach ihren Verkleidungen. Man muss ja auffallen,
im Gewühl.
Viel Gepäck kommt, auch ein Teil meiner beiden Gepäckstücke. Die restlichen zwei lassen
auf sich warten.
Nachdem das Gepäckband zum zweiten Mal stehen bleibt, frage ich eine Dame von Cook, die
hier die nicht abgeholten Teile kontrolliert.
Nee sagt sie, das wars. Alle Teile aus Stuttgart wären da. Kann nicht sein, unsere zwei fehlen.
Es stellen sich weitere Geschädigte ein und nach wohl Standardprozedur mit Standardzettel,
sind wir auch die Verlustmeldung los.
Ein Nachsenden erübrigt sich und wir einigen uns auf ein Abholen heute Abend 20:25 Uhr.
Wir treffen Frauke, die Freundin von Rouven. Sie kam mit GermanWings aus Köln und ist
schon seit einer Stunde da. Sie hat ihr Gepäck.
Mit dem Taxi fahren wir zum Hafen und nach kurzer Irrfahrt sind wir an der richtigen Mole.
Herr Jäger hatte mal wieder seinen allerwichtigsten Ordner, dort wo sämtliche Infos
drinstehen, zu Hause (oder sonst wo) vergessen.
Das Schiff ist bereits fertig zur Übernahme. Schade, dass der geplante erste Hafen - Arenal -
voll ist und wir bereits im Vorfeld entschieden haben, Samstag doch nicht mehr auszulaufen.
Egal, das Gepäck kommt ja auch noch abends an und muss dann auch noch abgeholt werden.
Dies verspricht wenigstens, dass wir unsere Taschen doch noch zur Fahrt haben. Undenkbar,
wenn diese gefehlt hätten?
Wir platzieren unser Handgepäck im Schiff und setzen uns danach in eine kleine Bar im
Hafen. Dort wird der Einkaufsplan nochmals besprochen.
Die Bar is so ne urige einheimische Pinte. Ein Tisch mit zahnlosen Arbeitslosen, die Karten
spielen, ein anderer Tisch, der mit Blaukitteln besetzt ist, die wohl gerade ne Durstperiode in
der Arbeit überbrücken müssen.
Wir setzen uns an einen Tisch und schreiben die Einkaufliste aufn Zettel und erfrischen uns
nebenbei. Die Temperaturen sind schon auf 24°C angestiegen und wir schwitzen.
Nach getaner Arbeit schreiten wir in einen nahe gelegenen Supermarkt, der die Einkäufe
gegen einen Aufpreis von 3? in das heimatliche Domizil bringt; in
unserem Fall halt aufs Schiff.

Alles klappt reibungslos, obwohl Rouven ganz nervös ist, dass die Körbe mit unseren
Einkäufen irgendwo anders noch mal verscheuert werden.
Just die Einkäufe verstaut, klingelt auch schon das Telefon. Der
GermanWings Part aus Stuttgart ist eingetroffen und wartet irgendwo vorne am Hafeneingang.
Ich hole sie ab und lerne am Ende noch Andrea kennen.
An Bord werden die letzten Kojen bezogen und die weitere Taktik besprochen. Rouven und
ich müssen ja noch um 20:30 Uhr zum Flughafen, um unser Gepäck zu holen.
Ich möchte vorher noch zum Carrefour um ein spanisches Mobilkärtchen und einen
Internetzugang zu organisieren.

Wir teilen uns. Andrea, Klaus, Ivonne, Frauke und Rouven gehen Essen, ich in den Carrefour.
Im Nachhinein stellt sich heraus: Das Abendessen ist schlecht und teuer und ich bekomme
weder Mobiltelefon noch einen Internetzugang. Schlechte Ausbeute!
Wir treffen uns jedoch kurz nach acht am Boot und Rouven und ich fahren zum Flughafen.
Dort ist dann eine harte Geduldsprobe fällig.
Das Gepäck ist glücklich um 21:45 Uhr verfügbar, nachdem wir verschiedene Papiere
ausgefüllt und unterschrieben haben.
Rouven klärt noch am Condorschalter ab, dass wir die Taxikosten für den Gepäckverzug von
Condor erstattet bekommen.
Um 22:00 Uhr sind wir zurück am Schiff. Der Taxifahrer schwärmt auf dem Rückweg von
einem Restaurant und rennt damit bei mir offene Türen, besser gesagt, knurrende Mägen ein.
Ich lade kurz meine Tasche aus und lasse mich anschließend in die umschwärmte Kneipe
bringen.
Diese ist bis auf den letzten Platz belegt und ich reserviere einen Tisch für 23:30 Uhr! Ich
könne ja schon um 23:15 Uhr versuchen, ob der Tisch bereits frei wäre.
Ich hatte die Kamera eingepackt und ich nutze die Zeit. Nein, nein, nicht um Bilder zu
machen, sondern um meine trockene Kehle zu benetzen.
Das Bier fließt wie kühlendes Gold in den ausgetrockneten Schlund hinab. Damit ich nicht
einschlafe, beschließe ich die drei Biere mit einem Kaffee. Klar, carajillo!
Als ich um 23:10 Uhr in der reservierten Kneipe bin, spüre ich, dass ich bereits zuviel
ge?.ähm sehr müde bin.
Trotzdem habe ich Lust zu Essen und die Karte bietet ne richtige Vorlage. Nach kurzem
Beratungsgespräch mit der Bedienung wird klar, dass der Maitre kommen muss und mich
beraten sollte.
Es entsteht ein: Vorspeise Sashimi, Hauptspeise Lammkoteletts mit Languste begleitet von
einer Flasche Rioja und zum süßen Schluss ein hausgemachter Apfelkuchen mit einer
vorzüglichen Vanillesoße.
Klar is, dass der übliche carajillo nach so einem Mal nicht fehlen darf.
Es ist 1:00 Uhr morgens und ich bin platt. Richtig platt.
Ich zahle und versuche einen geordneten Rückzug aufs Schiff zu machen. Dabei entstehen
noch ein paar Bilder. Dies aber nur, weil ich die Kamera nicht unnötig mit dabei haben
wollte.

Um 1:30 Uhr falle ich völlig kaputt ins Bett und Ivonne ist aufgrund meiner Atemübungen
schwer um mich besorgt. Es geht gut?
Nach dem Auftakt ist ja wohl jedem klar, dass ein frühes Auslaufen nicht stattfinden wird.Wir
frühstücken gegen 9:00 Uhr was unter den erwähnten Bedingungen an ein Wunder grenzt.
Nach einer für mich ungewöhnlich ausführlichen Einweisung legen wir um 12:00 Uhr ab.
Im Hafen legen wir ?kurz? an der Tankstelle an, um den Tank vollends zu füllen.
Das schlappe Fehlen von Sprit in der Tankanzeige, stellt sich als ein nicht voll getankter Tank
heraus. Es gehen 55 Liter rein. Soviel werden wir in den ersten vier Tagen trotz schwacher
Winde und dadurch bedingtes häufiges Motoren nicht verfahren!
Mit vollen Tanks verlassen wir Palma. Nach Verlassen des Hafens stellt sich uns eine
überwältigende Kulisse in der Bucht von Palma dar.
Es ist Ausstellung im Puerto Pi und selbst die zweitgrößte Privatyacht der Welt ist anwesend.
Ein Schiff größer als das Andere kreuzt hier rum. Dies macht Appetit auf mehr.
Nach 3 Stunden Motoren-gegen-den-Wind und abschließendes Segeln laufen wir die Bucht
von Cala Pi an. Zwei riesige Kats liegen im Eingang, im Hintergrund der Bucht liegt ein
Oldtimer.
Wir quetschen uns frech dazwischen und gehen
in einer überwältigenden Umgebung schwimmen. Klares, blaugrünes
Wasser, umrahmt von 25 Meter hohen Felsen und am hinteren Ende der Bucht ein kleiner
Badestrand.

Man hätte es nicht besser träumen können.
Das Brüderschiff, welches wir hier treffen wollten, ist nicht da. Wir werden es hoffentlich auf
Cabrera treffen.
Nach 90 Minuten erholsamem wie auch unterhaltsamem Aufenthalt machen wir uns auf den
Weiterweg nach Cabrera, wo wir nach zähen Motoren um 18:30 Uhr ankommen.
Die Sensación 1, unser Brüderschiff ist bereits da und an einer Boje fest.
Nach kurzer Entschlusslosigkeit und mehrmaligem Wechsel der Boje, entscheiden wir uns für
Eine. Fest!

Es ist immer noch angenehm warm, die Mehrheit geht schwimmen und wir treffen uns auf der
größeren Bavaria 46C.
Ein nettes Hallo erwartet uns und wir tauschen im üblichen Seglerlatein
die gemachten Erfahrungen aus. Die Stimmung scheint auch hier sehr gut zu sein.
Zwei gute Gruppen haben sich gefunden und das Revier tut sein Übriges dazu, dass man sich
wohl fühlt.
Bevor wir den Rückzug aufs eigene Schiff antreten, um das Abendessen vorzubereiten, legen
wir das GEMEINSAME Auslaufen am nächsten Tag auf 9:00 Uhr fest.
Das Abendessen besteht aus Spaghetti mit einer etwas zu scharfen Tomatensauce. Die
Schärfe rührt aus einem vermeintlichen Paprikagewürz, das sich nach genauerem Studium der
Beschriftung als mit Chillischoten besetztes Gewürz herausstellt.
Ein Verdünnen der Sauce mit Kochsahne lindert die Schärfe nur unwesentlich.
Am Ende jedoch sind alle zufrieden. Hunger war ausreichend da, so dass das Kilo Spaghetti
nach leichtem Kampf und mit dem Gleitmittel Rioja versehen, zielstrebig den jeweiligen
Magen erreicht.
Die Küchenarbeit klappt ausgezeichnet. Jeder fasst mit an, so dass es
ein ?gemeinsames? Vergnügen ist, Essen zuzubereiten, und anschließend das Geschirr zu
spülen.

Es vergeht keine Stunde, in der nicht wieder irgendeiner von einem anderen Crewmitglied
?VerBlitzDingsd? wird. Bald werden vermutlich die dicken, schwarzen Sonnenbrillen
ausgepackt.
Nach einem kurzen Zusammensitzen wird jedoch partielle Müdigkeit verzeichnet, so dass
sich kurz nach Mitternacht die meisten in der Koje befinden.
Ich lade noch meine Bilder von der Kamera herunter und sortiere sie aus.
Kurz nach Eins ist dann Schluss auf der Tamajo und alles träumt von
irgendwelchen wilden Erlebnissen.
Am nächsten Morgen erzählt sogar der Skipper, dass er die Schnaken im Ernstfall halt
wegschnarcht. Komische Träume haben die Jungs!
7:00 Uhr ist Wecken angesagt. Dieser allgemein schwerfällige Vorgang klappt bei diesem
Törn erstaunlich gut. Das Frühstück ist ausgezeichnet und das Auslaufen findet fast
überpünktlich um 9:10 Uhr statt.
Wir lassen die bezaubernde Insel hinter uns und peilen Porto Cristo an, wo wir zwei
Tropfsteinhöhlen auf dem Programm haben.
Der Wind kommt steif von vorne und wir müssen kreuzen. Die Sensación entscheidet sich
nach einem ersten weiten Ostschlag unter Land die Küste hochzukreuzen, wir machen es
genau umgekehrt. Am Ende jedoch fahren wir aber auch unter Land hoch, da wir nur wenig
Höhe machen und dadurch das Tagesziel in weite Ferne rückt.
Nach Stunden des Kampfes ziehen wir die Fock ein, holen das Groß
dicht und lassen den Dieselwind den Rest bis zum Hafen erledigen.

Schon die Hafeneinfahrt ist sehr verschlungen und lässt erst einen späten Blick auf den
eigentlichen Hafen zu.
Ein Anruf auf Kanal 9 bei dem Stadthafen ergibt, dass dieser voll belegt ist. Wir machen also
am gegenüberliegenden Ufer im Club Nautico fest. Dieser ist etwas teurer, dafür ist der
WLan-Zugang kostenlos.
Die Duschen sind sauber, wenn auch der Wasserdruck aus dem Duschkopf eher einem müden
Pinkler gleicht.
Frisch gestyled machen wir uns auf die Suche nach einer Kneipe mit 3 Frauen und 11 Mann,
um diese zu stürmen.
Der erste Tipp, den wir erhalten, stellt sich als Ente heraus, und am Ende landen wir doch
wieder im Hafen in einer etwas gehobeneren Kneipe.

Das Essen jedoch ist sein Geld wert und die Mehrheit scheint
zufrieden. Nur der Ober kämpft mit den Sonderwünschen der Deutschen.

Mit vollem Magen geht es zurück aufs Schiff; natürlich nur um kurz den Foto abzulegen und
den Laptop zu schnappen.
Wir setzen uns am Ende der Mole in eine kleine schnuggliche Bar,
wo jeder sein Lieblingsgetränk schlürft. Hier geht auch das WLan, allerdings nur an
ausgesuchten Stellen.

Als die Musik um 2:00 Uhr abgestellt wird, können wir jedoch mittels Internetradio für
weitere Untermalung sorgen. Kurz darauf sind die Gläser leer und wir torkeln an Bord und
fallen in die Kojen.
Dienstag 2007-06-19
Heute stellt sich das Frühstück um 7:45 Uhr ein. Die Brötchen sind jedoch wegen
mangelnden Bäckereien nicht verfügbar. Wir vernichten also die letzten Reste der
vorhandenen Weizenpressungen.
Das Hafenbüro macht pünktlich um 9:00 Uhr auf und ich bekomme ausführliche
Erläuterungen zu den vorgesehenen Höhlenbesuchen.
Um 10:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zu der 7 Fußminuten
entfernten Cueva del Drach. 9,50 ? kostet der Eintritt. An der Ticketkontrolle dann die
schlechte Überraschung: no cameras, keine Fotos? Ich schick den Rest der Höhlenwilligen
rein und dreh rum und lass mir am Counter den Eintrittspreis erstatten. Kann ja nicht sein,
dass meine Kamera nicht mitdarf. Dann will ich nämlich auch nicht rein.
Ich warte in der angrenzenden Bar und zieh mir einen Kaffee und eine Fanta Limon rein.
Nach einer Stunde sind die Höhlenforscher zurück.
Der Höhlen-Bedarf ist bei allen, außer Ivonne gedeckt. Sie begleitet mich zu den Harmschen
Höhlen.
Da diese etwa 20 Fußminuten südlich der Stadt liegen sollen und es bereits 11:15 Uhr ist,
beschließen wir ein Taxi zu nehmen.
5 Minuten später und 8 Euro ärmer erreichen wir die Höhlen. 16 Euronen sind fällig. Da sind
wir ja mal gespannt?
Als Erstes kommen wir in den Abteil Jules Verne. . Ein abgetrennter
Bereich mit verschiedenen Projektionen von Jules Verne Werbefilmen, die auf die bizarren
Gesteinsformationen projiziert werden. Eine eigenwillige Vorstellung.

Der zweite Part, die Höhle selber, ist beeindruckend: alle Führer
mindestens zweisprachig und die Höhle in wechselndem Licht sehr schön präsentiert.
Das abschließende Konzert, besser gesagt die abschließende Aneinanderreihung
verschiedener Mozart-Themen in schlechter Qualität, begleitet von zwei Gestalten, die in
einer Gondel über den unterirdischen See paddeln, lassen wir dann halt über uns ergehen.
Ein weiteres Taxi bringt uns bis zur Mole. Perfekter Service.
Nachdem der Einkaufszettel verlegt wurde, konnte der Einkauf vom Rest nicht 100%ig
durchgeführt werden.
Ich rufe das ?perfekte Taxi? mittels Handy zurück und Ivonne und ich lassen uns in einen
nahe gelegenen Supermarkt bringen.
Zufällig ist es der Markt, in dem auch die Gattin des Taxifahrers arbeitet. Dies wird
hoffentlich den Preis beeinflussen.
Kurz vor 14:00 Uhr sind wir dann mit dem Einkauf und 8 Euros fürs Taxi wieder an der
Mole. Der Einkauf wird eilig verstaut und wir laufen um 14:10 Uhr Richtung Norden aus.
Ich konnte alle davon überzeugen, dass wir versuchen, den Hafen der Colonia de San Pedro
anzulaufen.
Dies hätte nämlich zwei Vorteile: Erstens würden wir nicht in dem Industriehafen Cala
Ratjada liegen; dort sogar eventuell im Päckchen. Zweitens wären wir schon viel näher am
nächsten Hafen, Porto Pollenca, wo wir ja die Römersiedlung anschauen wollen.
Schnell sind wir an Cala Ratjada vorbei, da wieder mal Motoren angesagt war. Der Wind
steht direkt auf die Nase.
Nachdem wir jedoch um Cabo de Pera rum sind, können wir hart am Wind gegen das
Brüderschiff antreten.
Es ist wenig Wind und hier kommt unser Lattengroß voll zur Geltung. Bis Punta ??? liegen
wir knapp vorne, dort müssen wir jedoch Federn lassen. . Ich hatte
mich verkalkuliert und das Cabo de Freu zu knapp angesteuert, weil ich die maximale Fahrt
rausholen wollte. Die Sensación 1 zieht an uns vorbei.

Dieser Zustand währt jedoch nicht lange. Der Wind lässt merklich nach
und wir Trimmen unsere Segel nach bestem Wissen.
Wir ziehen an den Jungs vorbei und lassen sie stehen! Sieg!
Etappensieg?mal sehen, wann es weiter geht.

Am Ende der Cala Fosca schläft der Wind derart ein, dass beide Schiffe zeitgleich die Genua
einholen und den Motor anwerfen. Das Groß bleibt zur Stabilisierung stehen und wir
umschiffen das Cabo Farrutx.
Ein Anruf auf Kanal 9 beim Hafen bestätigt noch vorhandenen Platz für zwei Schiffe. Wir
sollen uns noch mal fünf Minuten vor Ankunft melden.
Dies ist dann 45 Minuten später der Fall und wir werden an den Wartesteg angewiesen.
Drei Boote liegen zwischen unseren beiden Schiffen, darunter ein fetter Kat mit netten
Österreichern.
Nach Duschen und Feinmachen schlappen wir in die Colonia de San Pere.
In einem Reiseführer ist eine Pizzeria erwähnt, die wohl allgemeinen
Beifall findet. Zum Glück ist der Reiseführer nicht auf dem neuesten Stand und die Pizzeria
ist mittlerweile ein argentinisches Steakrestaurant, El Gaucho genannt.
Die Mehrheit ist damit jedoch nicht zufrieden. Wir gehen gemeinsam noch vor an die
Promenade, wo sich dann jedoch zwei Gruppen bilden. Eine bleibt im Hafen, wir gehen zum
Argentinier! Dieser stellt sich dann im Laufe des Abends als ein Berliner heraus.
Das Essen ist super lecker. Die Steaks kommen echt von drüben und
das chimichurri (leckere Würzmischung) trägt den Rest zum Gelingen des Abends bei.
Während dem Abendessen kommt Rouven und holte den Schlüssel zum Boot. Es geht ihm
nicht gut.
Voll mit dem Essen zufrieden wanken wir gen Tamajo und landen nach einem kleinen
Baileys-Absacker in der Koje. Die Mischung war wohl so gut, dass ich in dieser Nacht nicht
schnarche, oder Ivonne dies nicht hört ;-)
Mittwoch 2007-06-20
7:30 Uhr klappt ein weiteres Mal. Frühstück mit diesmal frischen Brötchen. Ich hatte ja
vorher abgeklärt, wo die Bäckerei ist.
Rouven hat Halsschmerzen und zeigt deutlich Schlagseite. Auch die aufopfernde Pflege von
Frauke kann an diesem jämmerlichen Zustand wenig ändern.
Nachtfahrt ist erstmal in Frage gestellt und wird nach Durchsprache mit dem Brüderschiff
verworfen. Wir werden den Besuch der römischen Siedlung in Pollenca auslassen und uns die
nächste Nacht in Soller tummeln.
Nachdem ich vom kleinen Einkauf (Deutsches Handy aufladen und spanische prepaid-Karte
kaufen, zusammen 115 weitere Euronen!) zurückkomme, ist die Übernachtung im Hafen von
Soller durch eine Bucht 6 Meilen vorher ersetzt worden.
11:15 Uhr ist Auslaufen und bis Cap Formentor wird mal wieder der Schiffdiesel bemüht. Der
Wind steht mal wieder auf die Nase.
Ab dem Cap dann haben wir achterlichen Wind und mittels eines Bullenstanders sichern wir
das Groß, um einen ruhigen Vorwindkurs zu fahren.
Ich lege mich hin und schlafe sofort ein. Die Nächte sind wohl doch etwas kurz.
Ivonne weckt mich drei Stunden später. Wir motoren bereits und die Bucht kommt langsam
näher.
Nach dem Morro De La Vaca kommt die Cala De La Calobra in
Sicht. Ein Blick in die beeindruckende Bucht gibt keine Klarheit darüber, ob die Sensación 1
hier liegt. Ein erster Funkruf bleibt unbeantwortet, ein zweiter dann schwach beantwortet. Das
Funkgerät der Kollegen hat einen Defekt.
Wir laufen in die Bucht ein und beim zweiten Ankerversuch hält dann der Anker. Links und
rechts beeindruckende, 200 Meter hohe Felsen und am Ende ein
Kieselstrand. Dahinter eine kleine Lagune.

Wir baden und beschließen trotz dem wenigen Schutz der offenen Bucht, aber aufgrund der
stabilen und guten Wettervorhersage, hier die Nacht zu ankern.
Ankerwache ist schließlich auch mal `ne Erfahrung.
Die Spaghetti zum Abendessen sind diesmal nicht so scharf und genau richtig bemessen. Um
22:30 Uhr sind wir dann auch mit Abspülen fertig und Andrea macht noch einen Kaffee. Gute
Idee, wenn man an die bevorstehende Nacht denkt.
Erst verziehen sich der kranke Rouven und Klaus, dann geht Frauke und schließlich auch
Andrea.
Ivonne bleibt oben, und ich tipp erstmal an diesem Bericht. Es läuft gut.
Leichter Schwell hält dauernde Bewegung im Schiff. Durch den bereits untergegangenen
Mond ist es ziemlich dunkel.
Um 4:00 Uhr kommt Andrea aus der Kajüte und sondiert die Lage. Wir sind für die Uhrzeit
noch relativ fit und ich beschließe den Bericht an dieser Stelle erstmal zu beenden und mit
Bildern zu versehen. Damit hat Andrea noch ne halbe Stunde Zeit sich und ihren Klaus für die
zweite (restliche) Nachtschicht vorzubereiten.
Um 4:30 Uhr sind dann auch die Bilder drin und Ivonne und ich gehen in die Koje. Das
Einschlafen dauert ne Viertelstunde. Die Nacht hat uns wohl beide sehr fasziniert.
Donnerstag 2007-06-21
Um 8:30 Uhr hat Klaus bereits das gesamte Frühstück vorbereitet und wir machen uns
vollzählig daran, dieses zu verschlingen. Vom Brüderschiff sind nur wenig Lebenszeichen
sichtbar.
Wie sich später herausstellt, hat Gerd die Nacht oben geschlafen.
Nach den Erzählungen der Crew über die Schönheit der Schlucht, möchte ich trotz knapper
Zeit, den Gang in diese nicht versäumen um noch ein paar ?Landbilder? zu machen.
Das Beiboot wird zu Wasser gelassen und Rouven fährt uns an Land. Er scheint wieder etwas
gesünder zu sein. Vermutlich auch aufgrund der ausgefallenen Nachtfahrt und der langen
erholsamen Nacht.
Als wir am Kieselstrand anlanden stellt sich ein imposanter Anblick dar. Hinter den Felsen,
die die Bucht einschließen öffnet sich ein verträumtes Tal, umrandet von 200-300 Meter
hohen Felsen.

Das Tal schlängelt sich zwischen den Felsen ca. 600 Meter landeinwärts und stellt sich alle 10
Schritte irgendwie anders dar.
Den Abschluss des ?normalen Wanderpfades? stellt ein kleiner Teich
dar.

Danach wäre Klettern angesagt, aber in anbetracht der
fortgeschrittenen Zeit beschließe ich umzukehren.
Kurz nach Ablegen kommt die Anfrage, ob wir den Brunch nicht doch machen und dazu kurz
in Soller einen Stopp einlegen um einzukaufen.
Eine kurze Anfrage bei der Mannschaft ergibt sofortige Bereitschaft hierzu.
15 Minuten später machen wir einen kurzen Halt im mondänen Soller und
kaufen die für einen Brunch wichtigen Zutaten ein.

Der Brunch muss dann noch bis 15:00 Uhr warten, bis wir in der Freu de la Dragonera die
ausgesuchte Ankerbucht anlaufen.
Das Ankern klappt auf Anhieb. Langsam kommt Routine auf.
Auf dem sehr knapp bemessenen Tisch im Cockpit bereiten wir den Brunch
vor. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen; alleine die
angebratenen Datteln im Speckmantel sind ein Gedicht.
Der Freixenet und der Rioja runden den Genuss vollends ab.
Wir genießen ausführlich.

Ich habe uns zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr in Andraitx angemeldet. Da der Nobelort
gleich um die Ecke unserer Ankerbucht liegt, legen wir um 19:15 Uhr ab.
Kurz vor acht laufen wir in Andraitx ein.
Der Hafen ist ausgebucht und wir bekommen die beiden letzten Plätze direkt an der
Slipanlage. Bis dato der teuerste und nicht gerade schönste Hafen. Diesen kann man für
zukünftige Touren getrost ausklammern.
Die Crews teilen sich und wir landen abermals bei einem Argentinier. Irgendwie bin ich da
wohl vorbelastet. Das Essen ist ausgezeichnet und zum Ausklang treffen wir noch Frauke und
Rouven, die es sich in einer Cocktailbar direkt am Wasser gemütlich gemacht haben.
Der Caipi aus Pitu hergestellt schmeckt schlecht. Die Pi?a Colada danach ist wesentlich
besser. Etwas angetrunken wanken wir gegen 1:00 Uhr aufs Schiff.
Freitag 2007-06-22
Palma ist nun nicht mehr weit, der Weg vollends für jeden kalkulierbar und daher fällt das
Frühstück auch etwas später aus, als gewohnt. Trotzdem gibt es frische Brötchen, die Frauke
irgendwo aufgetrieben hat.
Gemütlich wird noch mal geduscht und gegen 11:00 Uhr laufen wir aus. In der Bucht vor dem
Hafen liegt immer noch der imposante Viermaster.
Es kommt Wind auf und wir beschließen den Rest des Tages zu segeln. Wir müssen ja um
16:00 Uhr das Schiff zurückgeben.
Wir laufen fast überpünktlich um 16:10 Uhr im Hafen von Palma ein.
Die Bootsübergabe ist schnell erledigt, und wir setzen uns zum Anlegebier und lassen den
Törn an uns Revue passieren. Schön war?s.
Jetzt fehlt nur noch ein geeignetes Lokal fürs Abschlussessen. Wir beschließen zunächst das
Lokal zu nehmen, in dem die Kollegen vom Brüderschiff eingangs schon gute Erfahrungen
gemacht hatten.
Frauke und Rouven gehen vor zum Reservieren, doch leider kann die Lokalität an diesem
Abend die Zahl von 14 Gästen nicht mehr aufnehmen.
Wir holen Rat beim Vercharterer von der Sensación 1. Ein kurzer Anruf und wir sind für 10
Minuten später in einer kleinen In-Kneipe angemeldet. Eventuelle Wartezeit könnten wir in
der angrenzenden Bar verbringen.
10 Minuten später schlagen wir in der Kneipe auf, die für unser Erscheinen noch nicht ganz
vorbereitet ist, und wir nehmen noch einen Drink in der Bar nebenan.
Ich glaube es wird höchste Zeit:
Nach weiteren 10 Minuten werden wir gerufen. Die Tische sind
fertig.

Gemeinsame gemischte Vorspeise und ausgewähltes Hauptgericht in einem sensationellen
Preisgefüge ergeben einen sehr netten Abschlussabend.
Den Urlaub lassen wir im Anschluss auf der Sensación 1 ausklingen. Die letzten Bier- und
Weinreste, sowie Nüsschen und anderes Hüftgold werden vollends vernichtet.
Alles in Allem war es einer der harmonischsten Törns, die ich miterleben durfte. Wäre noch
der Wind ab und zu nicht auf die Nase gestanden, hätte man von einem perfekten Törn reden
können. So bleiben schöne Erinnerungen und ca. 2500 Urlaubsfotos.

Malmsheim, den 29.6.2007, Hans-Peter Jäger (Skipper Tamajo)
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